Nach vier Wochen ist es soweit - Graduation Day!

Meine Yogalehrer-Ausbildung in Thailand

Bevor ich mich dazu entschied, meine Yogalehrer-Ausbildung zu machen, hatte ich schon einige Jahre regelmäßig Yoga praktiziert. Ich wusste zwar nicht warum, aber im Anschluss an die Stunden ging es mir immer besser als zuvor. Und nun wollte ich mehr davon. Nachdem das Jahr 2018 ein ziemlich unrühmliches Ende genommen hatte, wusste ich: Im neuen Jahr muss sich für mich was ändern. Da ich noch einige Überstunden auf dem Konto hatte entschied ich, mir Zeit für mich zu nehmen und etwas zu machen, von dem ich sicher wusste, dass es mir gut tut.

Die Yogalehrer-Ausbildung schwirrte schon länger in meinem Kopf herum, also wann, wenn nicht jetzt? Ich wusste zwar nicht genau, was auf mich zukommen würde, und hatte auch ziemlich Respekt vor alldem. Was, wenn ich mich in der Schule nicht wohlfühle? Wenn persönliche Themen hochkommen, die mir unangenehm sind? Hält mein Körper das überhaupt durch? Dennoch blieb das gute Gefühl, das Vertrauen darin, dass das mein Weg ist (boah, das hört sich schon so esoterisch an!). Und so machte ich mich auf die Suche nach der „richtigen“ Schule, um mehr über das Mysterium Yoga zu lernen – und über mich selbst.

One Yoga Thailand

Ich bin so der Typ, der sich in der Regel eine handfeste Pro/Contra-Liste macht. Eine Entscheidung kann nicht eher getroffen werden, bevor nicht das Internet in seiner Gesamtheit nach Angeboten durchforstet ist, sämtliche Bewertungen gecheckt und wasserdicht geprüft sind. In diesem Fall ist es anders gelaufen.

Ich fragte eine liebe Freundin, die ihre Yogalehrer-Ausbildung schon zuvor auf Koh Phangan gemacht hatte, wie ich bei der großen Auswahl denn nun die richtige für mich finden würde und ihre Antwort lautete: „Das ist mehr so ein Gefühl. Du wirst schon merken, mit welcher du schwingst.“ Aha. Für mich, damals voll Kopfmensch, etwas schwierig in der Umsetzung. Und dennoch hat mich mein Gefühl zielsicher zu One Yoga Thailand geführt – und es hat mich nicht getäuscht. Daher empfehle ich genau das auch jeder*m anderen, wenn ich gefragt werde: Überleg dir, was für dich wichtig ist, checke die Fakten und dann hör auf dein Gefühl. Bei der Auswahl hat mir die Website BookYogaRetreats übrigens sehr geholfen.

Für mich war bei der Wahl meiner Yogaschule eine klare, eher bodenständige Ausrichtung wichtig. Bei aller Spiritualität und meinem Interesse an der yogischen Philosophie wollte ich nicht, dass es zu „abgehoben“ wird. Das Niveau der Ausbildung bei One Yoga Thailand war meines Erachtens wirklich gut. Die Schule wählt ihre Lehrer sorgfältig aus und ich habe die Mischung der verschiedenen Lehrstile als sehr bereichernd empfunden.

Die Lage direkt am eigenen Strandabschnitt, etwas abseits vom teils trubeligen Srithanu war für mich ideal. Ich habe es geliebt, jeden morgen auf meinem Balkon mit Blick auf Palmen und Meer den Tag zu begrüßen. Wie in vielen Yogaschulen auf Koh Phangan befinden sich die Yoga Shala und Unterkünfte auf einem Areal. Frühstück und Mittagessen waren jeden Tag inklusive, so dass wir nur zum Abendessen in den Ort gingen. Die meiste Zeit des Tages verbrachten wir in unserem eigenen kleinen Paradies.

Morning Glory auf meinem Balkon

„First you learn Yoga, then you teach Yoga, finally you live Yoga.“

Swami Satyananda

Vier intensive Wochen

Die 200 Stunden Intensiv-Ausbildung dauerte 4 Wochen und war eine unglaublich intensive und fordernde Zeit für mich. Zunächst auf körperlicher Ebene – 6 Stunden Yoga am Tag an 6 Tagen die Woche – aber auch emotional und mental war es eine aufregende Reise mit so manchen Hochs und Tiefs. Vier bewusste Wochen, Zeit um mich selbst und meine Muster, mein Verhalten, meine Glaubesnssätze zu reflektieren.

Der Tagesablauf war immer ähnlich. Der Morgen begann mit einer Meditation und Yoga, nach dem Frühstück ging es weiter mit Yoga Philosophie, Art of Teaching oder Anatomie. Am Nachmittag gab es dann – Surprise – noch mehr Yoga :). Was sich vielleicht recht eintönig anhört, wird durch die unterschiedlichen Lehrer und die Stile, die unterrichtet werden, wie Hatha, Ashtanga, Vinyasa, Yin, Yoga Nidra sehr abwechslungsreich. Dazu kamen Sharing Circles, Abendprogramme mit Gastdozenten, gemeinsames (Kirtan-)Singen und ein Ausflug in ein buddhistisches Kloster.

Die vier Wochen der Ausbildung waren für mich unglaublich inspirierend, eröffneten mir neue Blickwinkel auf mich und mein Leben. Sie warfen für mich Fragen auf, die ich mir noch nie zuvor gestellt hatte, brachten mich in einen tieferen Kontakt mit mir selbst und mit anderen. Ich bin an meine eigenen Grenzen gestoßen, habe die ein oder andere überwunden und bekam dadurch mehr Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten.

Um das Zertifikat zu erhalten, musste man die schriftliche Prüfung bestehen und eine komplette Yogastunde durchführen. Diese erste Yogastunde werde ich nie vergessen – und das gute Gefühl, es wirklich geschafft zu haben, als ich meine ersten Schüler am Ende in Shavasana-Position gebracht hatte.

Der abgelegene Bottle Beach auf Koh Phangan

Koh Phangan

Die Insel ist wirklich ein Kraftort. Eines der großen spirituellen Zentren Asiens. Eigentlich hatte ich mir mal vorgestellt, meine Yogalehrer-Ausbildung im Herkunftsland selbst zu absolvieren und habe mich zunächst in Richtung Indien umgeschaut. Doch irgendwie zog die Insel mich magisch an und mal ehrlich, ich wollte es auch einfach schön haben in der Zeit.

Die freien Tage haben wir für Touren zu paradiesischen abgelegenen Strände genutzt. Diese sind zum Teil nur zu Fuß über Trampelpfade oder mit dem Boot erreichbar, zum Beispiel Bottle Beach oder Secret Beach.

Es gab aber auch Tage, an denen ich es einfach genossen habe, in meinem Lieblingscafé zu sitzen und mich nach all der Yogapraxis nicht mehr bewegen zu müssen.

Srithanu

In und rund um Srithanu hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Yogawelt versammelt. Es gibt so ziemlich alles, was man sich an spirituellem, alternativem, esoterischem und abgefahrenem Lifetyle vorstellen kann. Wenn du hier bist, solltest du nicht verpassen, in einen Tantra-Workshop rein zu schnuppern und dich beim Sound Healing oder beim Ecstatic Dance von den Klängen davontragen zu lassen. Darüber hinaus gibt es Rebirthing, Reiki, Detox und vieles mehr im Angebot. Seriöse Anbieter, die ich auch besucht habe, sind unter anderem Orion Healing Centre, Samma Karuna und Jaran’s.

Zum Sundowner trifft man sich am Zen Beach. Wenn die Trommeln die Sonne begleiten, wie sie langsam ins Meer sinkt, ist die Stimmung einfach unbeschreiblich.

Sunset am Zen Beach in Srithanu, Koh Phangan

Das ganze ist nun schon unfassbare zweieinhalb Jahre her. Rückblickend kann ich nur sagen, dass ich diese Zeit in Thailand, die Ausbildung und die Menschen die damit verbunden sind, unglaublich schätze. Unsere Yogalehrer hatten damals schon prophezeit, dass sich im Anschluss an die Ausbildung vieles in unserem Leben verändern würde. Damals habe ich das nicht allzu ernst genommen, doch nach meiner Rückkehr musste ich selbst gar nicht viel dazu beisteuern. Mein Leben bekam quasi von ganz allein eine neue Wendung, die größer war, als ich es mir je vorstellen konnte.